Bächli – Gauli – Rosenlaui: 12.bis 15. April 2019

Bericht von Franziska Heidenreich

Das Wetter sah nicht gerade vielversprechend aus – fast hätten wir das ganze Unterfangen gestrichen. Doch nach gutem Zureden der Hüttenwarte machten wir uns auf den Weg. Bei undefinierbarem Wetter kamen wir ganz hinten im Tal in Handeck an und ließen uns die ersten Höhenmeter mit einer Seilbahn transportieren. «durch den Stollen und dann nach rechts durch eine kleine Tür». In Gerstenegg angekommen, stapfen wir also erstmal fröhlich durch den Stollen. Aber die versprochene Tür kam nicht – auch nicht nach der Kurve. Es schien kilometerweit weiter zu gehen. Wir drehten um und fanden dann noch den Ausgang.

Wir hatten es nicht besonders eilig – und nahmen uns Zeit, hier oben und in der Stille anzukommen und die so hohen unbekannten Berge um uns herum zu bestaunen. Gemütlich erklommen wir also die ca. 600hm vom Räterichsbodensee zur Bächlitalhütte – gerade rechtzeitig zum Abendessen.

Am nächsten Morgen machten wir uns – wie alle anderen Gruppen – auf Richtung Obere Bächlilicke (3074m). In einem grossen Bogen zieht man erst rechts dann links über den Bächlitalgletscher. Die Gletscher sind diese Saison sehr gut eingeschneit und es hätte kein Seil gebraucht. Da wir aber mehrere Gletscherfrischlinge dabei hatten, nutzen wir die Gelegenheit, das Aufsteigen am Seil zu «üben». Es war schon Mittag als wir unter der Oberen Bächlilicke ankamen. Da die Leitern noch besetzt waren – machten wir Mittagspause und klettern dann mit Ski auf dem Rücken die Eisenleitern auf die «Licke». Die Ketten und Sicherungen auf der anderen Seite waren teilweise noch dick eingeschneit. So seilten wir über knapp 50m ab. Das Abseilen mit schwerem Rucksack und Skiern auf dem Rücken war für die meisten eine Premiere. Dieses alpine Unterfangen wurde mit Begeisterung prima gemeistert.

Die Abfahrt durchs Hiendertellti zum Gaulisee bot tolle Hänge mit variierendem Schnee. Und bestätigte die Vermutung – eine Gruppe starker Skifahrer und einem unermüdlichen Telemarker.
Nach dem Gaulisee wartet noch ein kurzer Aufstieg, eine steile Rinne zum Abfahren und nochmal 200hm Aufstieg bis man die Gaulihütte auf 2205 erreicht.
Es schneite dicke Flocken als wir in der guten Stube der Gaulihütte sassen und bei Kaffee und Kuchen zur Dakota, Pionierinnen in Eis und Fels, Tim und Struppi und Berg&Steigen lasen.

Am nächsten Morgen frühstückten wir am allerspätesten und am allerlängsten. Es war einfach nur weiß und undurchsichtig draußen. Also machten wir erstmal eine Runde Yoga in der Stube. Und der Sonnengruß half! Als wir um halb 10 vor der Hütte die Felle aufzogen, riss es auf und wir sahen tatsächlich zum ersten Mal, wo wir gelandet waren. Es war nicht
gerade wolkenfrei und immer wieder steckten wir in einer Wolke. Doch immer wieder wurde die Sicht freigegeben auf dem Weg zum Hangendgletscherhorn. Erst über 3000m war es wolkenfrei. Der Gipfelhang war frei und lag in praller Sonne. Den Grat zum Gipfel ließen wir unberührt und genossen stattdessen die Aussicht vom Vorgipfel auf andere hohe Gipfel und das graue Wolkenmeer. Die ersten 200hm Abfahrt waren super – den Rest hangelten wir uns an unseren Aufstiegspuren zurück zur Hütte. Da wirklich alle sehr gute Skifahrer sind, kamen alle gesund und vor allem munter unten wieder an.

Die Gaulihütte ist rundum ein schöner Ort, inklusive Plumpsklo ein Häuschen weiter unten – und vor allem Dank des netten Hüttenwartpaars Franziska und Teddy, die uns fein bekochten und mit keiner Info geizten.

Und dann endlich spielten wir eine Runde Scharade +. Beschreibe mal Fassdaubenrennen ohne zu wissen was es ist! Oder Sonnenbrand mit einem Wort. Plumpsklo und Dschungelbuch auf pantomimisch geht ja. Aber welches Geräusch machen Spitzkehren? Eine Treppe und welches eine Frisur?

Frühstück um 5 Uhr schien allen eine Freude zu sein. Fit und munter und schon gepackt tauchten alle beim Frühstück auf. Draußen ein Sternenhimmel, an dem man sich nicht sattsehen kann. Beim Loslaufen dämmert es dann schon, und nur noch wenige Sterne funkelten – der Morgenstern ganz hell. Wie am Abend zuvor beim Wein versprochen; in den Morgen laufen ist was ganz Besonderes und lohnt sich.

Beim (Fake)Propeller der Dakota blinzelte uns dann die Sonne entgegen und wir konnten für einen Moränenhang abfellen. Auf dem Gauligletscher stiegen wir dann stetig an gen unserem Gipfel. Wir hatten Kaiserinnenwetter. Sonne und blauer wolkenloser Himmel. Dazu
wunderschöne Gletscherlandschaft mit blauen Eis unterhalb dem Ankenbälli (den wir unbedingt beim nächsten Gaulibesuch besteigen und abfahren wollen!). Sehnsüchtige Blicke zu den Gipfeln, die nun hier in diesem schönem Gauli auf uns warten.

Oben auf dem Ränfenhorn angekommen, hatten wir einen fantastischen Rundumblick – Finsteraarhorn, Schreckhorn, Engelhörner und bis zur Rigi hinunter. Und ein Fleckchen Windstille fanden wir für unser Gipfelpicknick. Und dann – dann kam die Krönung unserer Tage im Gauligebiet: die Abfahrt über den Rosenlauigletscher.

Der erste Hang brachte uns in idealer Steilheit ins große weite Weiß des
Rosenlauigletschers. Wir tasteten uns zur nächsten Kante und hatten einen steilen Hang gleich neben den ersten Seracs vor uns. Darauf folgte eine weitere Kante mit einem weiteren steilen Hang mit immer mehr Pulverschnee und immer beeindruckenderen Seracs. Blauweiß schimmerten sie. So ging es weiter Hang für Hang. Atemberaubend und
unbeschreiblich schön und eben schlichtweg beeindruckend. Auch dass wir da so einfach hinunterfahren konnten. Kurz: eine fantastische Abfahrt bei besten Bedingungen.
Viel zu schnell waren wir beim Rosenlauibiwak. Es folgten noch 2-3 schöne Pulverhänge – nun schon nicht mehr auf dem Gletscher; aber mit dem Gletscher hinter, über uns. Was -da sind wir runter, fragten wir uns beim Blick zurück. Wir folgten rechts dem Bachbett. Und fanden uns plötzlich im Frühling wieder. Spätestens als sämtliche Schichten ausgezogen waren und wir mit Skiern auf der Schulter im Wald dem Sommerwanderweg folgend gen Rosenlauischlucht herabstapften. Nach der Brücke konnten wir noch einmal auf die Ski und durch den Wald kurven – bis zum alten Hotel Rosenlaui. Und ganz plötzlich war es vorbei – waren wir wieder unten und unsere Tage in der Gletscherwelt vorbei. Gauli wir kommen
wieder!