Am 01.08.2025 ging es für acht Alpinisten nach Mörel-Filet ins Wallis, wo ein schnuckeliges privates Chalet als komfortables „Basislager“ für die bevorstehenden fünf Touren der nächsten Tage auf uns wartete.
Nachdem alle im Laufe des Tages und Abends am Ausgangspunkt eingetrudelt sind und unterwegs noch das ein oder andere Feuerwerk zum Schweizer Nationalfeiertag bestaunen konnten, war schnell klar: Das ist alterstechnisch eine der diversesten Gruppen überhaupt, denn von 4 bis 83 Jahre war nahezu jedes Jahrzehnt vertreten.
So gingen wir schon bald zur Tourenbesprechung über und es kristallisierte sich heraus, dass unsere Tourenführer Jürgen und Ela bereits sämtliche Varianten und Alternativen ausgekundschaftet hatten, um möglichst alle Teilnehmenden und deren individuelle Ambitionen zufriedenzustellen.
So stand für Tag 1 das Staldhorn (2463m) und als Erweiterungsoption für manche noch das Tochuhorn (2661m), welches nur über teils ausgesetztes Blockgelände (Kletterstellen 1) zu erreichen war, auf dem Programm. Starteten wir vom Simplonpass noch im Regen, wurden wir schon bald von den Läufern des sogenannten Gondo Marathon gejagt, futterten genüsslich Heidelbeeren am Wegesrand und hatten am Gipfel schließlich nicht nur blau gefärbte Münder und Zungen, sondern stellenweise auch blauen Himmel. Alles in allem war dies eine wetterbedingt kürzere, aber sehr lohnenswerte und gut geeignete Tour für den ersten Tag, um sich „einzugrooven“. Am Abend bekochte uns Hans-Dieter mit einem italienischen Klassiker und es gab feinste Ravioli con Olio e Parmigiano.
Tag 2 startete für manche von uns in aller Früh bereits mit einer ersten Wanderung zum Dorfbäcker. Nachdem wir feststellten, dass dies 45 Minuten zu Fuß bergauf und bergab dauern sollte, wurde der Brötchengang fortan morgens doch lieber schnell mit dem Auto erledigt. Gleichwohl konnten wir dann sogar wie geplant mit Frühstück und Proviant gut gestärkt zum Meiggerhorn (2339m) und Gibelhorn (2696m) aufbrechen. Diese teils weglose Tour hielt wieder kleinere Kletter- und Kraxelpartien für uns bereit, wobei uns die munteren Zurufe der gut angefütterten und piepsenden Murmeltiere permanent erheiterten. Zurück an der Unterkunft in Mörel-Filet stand der Abend unter mexikanischem Motto und wir wurden mit Tortillas, Chili con Carne und Sourcream verwöhnt. Der ein oder andere garnierte das Dinner noch mit seinem selbst mitgebrachten Popcorn oder schärfte mit eigens angebauten Chillis nochmal nach. Wie ihr lest, es hat an nichts gefehlt.
Am dritten Tag ging es zunächst gemeinsam auf das Risihorn (2875m), wo selbst die laufenden Instandhaltungsarbeiten am Zustieg uns nicht am Erreichen des Gipfels hinderten. Am Risihorn Gipfel spendierte Ela für alle eine Runde selbstgebackene Waffeln, die sehr gut ankamen, und wir ließen uns natürlich noch vor dem Gipfelkreuz ablichten. 3-2-1-Cheese!
Nach einer etwas ausgedehnteren Pause ging es für manche noch weiter über das Täschehorn (3007m) bis auf das Setzehorn (3061m), wo wir schließlich mit einem fantastischen Blick auf den Fiesch Gletscher belohnt wurden.
Am Abend wurden alle von der selbstgemachten Pizza und feinem Salat plus Keksen zum Dessert satt und konnten schlafen wie die Murmeltiere.
Für den vierten Wandertag stand eine Tour im Binntal bevor. So ging es von Fäld aus Richtung Geisspfadsee (2439m), einem paradiesischen Idyll an der Grenze zu Italien. Für die jüngere Generation führte der Weg von hier aus über steile Anstiege und anspruchsvolles Blockgelände (Kletterstellen 1) weiter über den Mittelberg bis auf das Groß‘ Schinhorn (2937m). Nachdem wir uns hier im Gipfelbuch verewigt und uns gestärkt hatten, traten wir den Abstieg an und kühlten uns zurück am Geisspfadsee noch kurzerhand ab, bevor es dann über den Mässersee hinab ins Tal ging. Auf dem Rückweg düsten wir noch schnell am Volg vorbei, um den obligatorischen Salatkopf für das Abendessen zu besorgen und stürmten pünktlich um 18.58 Uhr noch den Laden, der um 19 Uhr schließen sollte. Puh, alles hat geklappt. Im „Basislager“ angekommen, wurden wir mit ordentlichen Käsnudeln sowie mit Spaghetti und Tomatensoße verköstigt und plumpsten alsbald müde ins Bett.
Der letzte Tag führte uns nach Belalp (2091m) und von dort entweder auf das Sparrhorn (3021m) mit wunderbarer Sicht auf Aletschhorn, Bietschorn, Nesthorn und viele Walliser 4000er, einschließlich Matterhorn. Die alternative Tour sollte den anderen Teil der Gruppe zum Finale noch auf das Gänderhorn (3293m) führen, welche sich jedoch nach einigen Mühen auf gerölligem und rutschigem Gelände mit den bereits etwas ermüdeten Beinen der Vortage als zu herausfordernd erwies, sodass wir leider aus Sicherheitsgründen umkehren mussten.
Dafür trafen wir beim Abstieg auf eine beträchtliche Herde schwarz-weiß gefärbter Walliser Langhaarziegen, die uns gleich so super fanden, dass sie uns bis fast zum Bergrestaurant begleiteten. Dort ließen wir dann das Gänderhorn hinter uns, beschlossen, dass dies wohl ein geeigneterer Skitourenberg sei und genossen dafür ein gemeinsames Bier zum Abschluss, bevor der ganze Trupp dann schließlich auf einer sehr unterhaltsamen Rückfahrt sicher und wohlbehalten von Bruno im VW-Bus zurück nach Überlingen gesteuert wurde.
Alles in allem war das ein gelungener Ausflug mit wunderbaren Touren, jeder Menge Spaß, körperlicher und mentaler Herausforderung und vielen netten und verschiedenen Menschen.
So werden jedenfalls mir in guter Erinnerung bleiben die vielen schönen Gipfel und Touren, aber eben auch:
- Bruno, der jede Alpenblume identifizieren kann
- Reinhard, der alle Gipfel und Grate beim Namen nennen kann und die passende Anekdote dazu parat hat
- Ehrenfried, der sich mit Rotwein um unser leibliches Wohl gekümmert hat
- Hans-Dieter, der die Brücke zwischen Jung und Alt geschlagen und mit seinem guten Humor für einige Lacher gesorgt hat
- Jürgen und Ela, die sämtliche Ambitionen, Wünsche und Bedürfnisse der Gruppe unter einen Hut gebracht und uns durch die schöne Landschaft und auf ausgewiesene Gipfel im Wallis geführt haben
- Cora, die mit ihren 4 Jahren schon begeisterter kraxelt als einige Bergziegen und nicht nur Mut, sondern auch sehr viel Ausdauer bewiesen hat und
- Markus, den die Walliser Schafe und Ziegen gar nicht mehr gehen lassen wollten und der mit mir zusammen die „jüngere“ Generation vertreten hat.
Danke für die schönen Tage und Erlebnisse.
Es war mir eine Freude!
Bericht: Sophia S.





Bilder: Ela Klose
