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Erschließungsspirale stoppen

Der Massentourismus in den Alpen ist an umfangreiche Infrastruktureinrichtungen gebunden. Vor allem mit dem Skitourismus gehen starke Veränderungen der alpinen Landschaften ein­her. Gleichzei­tig führt der Klimawandel zur wirtschaftlichen Abwertung oder Aufgabe tiefer gelegener Skigebiete.

Häufig wird versucht, dem durch die Neuerschließung höher gelegener Bereiche, durch Erweiterun­gen und Zusammenschlüsse und den massiven Ausbau von Be­schneiungsanlagen zu entkommen. Zusätzlich soll durch den Bau künstlicher Erlebnis­welten nicht zuletzt die wirtschaftliche Basis verbreitert werden. Der gegenseitige Verdrängungswettbewerb der Skigebiete verstärkt diese Entwicklungen.

Der DAV lehnt den weiteren Ausbau der Tourismusinfrastruktur im Alpenraum außerhalb bereits erschlossener Gebiete ab. Durch die verbindliche Festlegung klarer Ausbaugrenzen für technische Anlagen muss eine Erschließung neuer Geländekammern alpenweit verhindert werden. In Bayern stellt der Alpenplan diesbezüglich ein bewährtes Instrument der Raum­ordnung dar, das langfristig erhalten werden muss.

Mehr Information auf der Website des Deutschen Alpenvereins

Im folgenden werden 2 Skigebiets Erschließungsprojekte vorgestellt, die aus Naturschutzgründen äußerst kritisch zu bewerten sind, nämlich die Erschließung des Riedberger Hornes und die Skigebietsverbindung Zwischen St. Anton und Kappel:

Rettet das Riedberger Horn

Das Riedberger Horn erhebt sich 1787m hoch in den Allgäuer Alpen. Dort leben etwa 15% des Allgäuer (5% des gesamtdeutschen) Birkhuhnbestandes. Durch die guten Fortpflanzungszahlen ist dieser Bestand zudem ein wichtiges Quellgebiet für umliegende Vorkommen. Ein weiterer Ausbau der Liftanlagen gefährdet also nicht nur das Birkhuhn am Riedberger Horn. Die Pläne stellen auch einen erstmaligen Frontalangriff auf den Alpenplan dar, der seit über 40 Jahren besteht.

Das Skigebiet Riedberger Horn im Balderschwanger Tal soll mit dem Skigebiet Grasgehren am Ried­bergpass verbunden werden. Hierzu ist der Bau einer Verbindungsbahn und –piste an der Westflanke des Riedberger Horns vorgesehen. Die Gemeinden Obermaiselstein haben für dieses Ziel einen „Teil­flächennutzungsplan“ erstellt und ein „Zielabweichungsverfahren“ beantragt, da das Vorhaben in Alpenplan -Zone C liegt.

Das Aktionsbündnis „RETTET DAS RIEDBERGER HORN“ stellt sich gegen die Zerstörung dieses einmali­gen Stücks unserer Heimat! Mehr Information: http://rettet-das-birkhuhn.de

„Eine Zerstörung des Riedberger Horns wäre ein Frontalangriff auf den Alpenplan, der über so viele Jahre beim Schutz der Alpen so gute Dienste geleistet hat. Wenn uns nichts mehr unantastbar, wenn uns nichts mehr heilig ist, können wir auch gleich die Wieskirche einreißen, um einen Parkplatz zu bauen. Ebenso wie der Erhalt unserer wunderbaren Kulturdenkmäler ist Naturschutz immer auch Schutz unserer Heimat.“
Dr. Norbert Schäffer – LBV Landesvorsitzender

Genehmigung erteilt: Skigebietsverbindung St. Anton und Kappl könnte bald Realität werden

Noch zum Ende des Jahres 2015 gab es ein frühes Weihnachtsgeschenk der Tiroler Landesregierung an den Tiroler Skitourismus: St. Anton (Teilgebiet Rendl) und Kappl im Paznauntal haben die offizielle Genehmigung für den skitechnischen Zusammenschluss erhalten!

Die Erteilung der Baugenehmigung dieses Mammut-Projekts ist ein herber Rückschlag für den Naturschutz und aus naturschutzrechtlicher Sicht unverständlich. Umweltschutzverbände in Österreich haben bereits Beschwerde gegen die Baugenehmigung eingereicht.

Genehmigung schwer nachvollziehbar

Die Genehmigung steht im Widerspruch zum geltenden Naturschutzrecht und dem „Tiroler Seilbahn – und Skigebietsprogramm“. Darin sind Neuerschließungen, d.h. die Erschließung neuer Gebirgs­kämme bzw. – täler, verboten. Die Ausnahme bestätigt die Regel: dieses Projekt soll zur wirtschaftlichen Förderung kleiner Skigebiete beitragen, und erhält damit eine großzügige Ausnahme vom Gesetz.

Unverständnis aus ökologischer Sicht: durch die Maßnahmen wird die ökologische Qualität vieler Fließgewässer von sehr gut um mindestens eine Qualitätsstufe herabgestuft. Dies widerspricht der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie, die ein Verschlechterungsverbot auferlegt.Unverständnis auch aus geotechnischer Sicht: Gutachten belegen mehrere, teilweise sogar tief­greifende, aktive Hangbewegungen im Gebiet (insbesondere Rossfallscharte). Eine dauerhafte Betriebssicherheit konnten die Gutachter dem Vorhaben nicht bescheinigen. Trotzdem dieser wenig nachhaltigen Aussicht, kam die Genehmigung.

Mehr Information: Deutscher Alpenverein

Rückblick: Naturschutz-Tagung DAV Landesverband

Teilnahme: Peter von Gizycki 

Die Naturschutz-Tagung des DAV Landesverbands Baden-Württemberg 2015 fand vom 17. bis 19. April in Friedrichshafen statt. Schwerpunktthema waren die Handlungsfelder des DAV-Grundsatz­programms und die Umsetzung des DAV-Grundsatzprogramms in den DAV-Sektionen. Jörg Ruckrie­gel und Maximilian Witting vom DAV Bundesverband fassten wichtige Inhalte des Grundsatzpro­gramms zusammen und erläuterten das Projekt „Klimafreundlicher Bergsport“ im DAV. Die Natur­schutzreferenten haben anschließend in drei Workshops Vorschläge zur Umsetzung des Grundsatz­programms erarbeitet.

Weiteres Schwerpunktthema war die Naturschutzstrategie des Landes Baden-Württemberg. Heinz Reinöhl (Ministerium Ländlicher Raum) stellte die Naturschutzstrategie und bereits erfolgte Maßnah­men von Landesregierung und Naturschutzverwaltung vor.

Ein ökologischer Vortrag zum Bodensee von Dr. Klaus Zintz (Limnologe, Redakteur) leitete über zur naturkundlichen Exkursion. Mit Kanus wurde die Schussen erkundet und anschließend ging es auf dem Landweg ins Naturschutzzentrum Eriskircher Ried und schließlich ins Naturschutzgebiet mit Schussen-Altarm, Haubentaucher, Biber-Spuren, Auwald (mit Silberweide, Schwarzpappel), Schilfbe­stände und Pfeifengraswiesen (mit Sibirischer Schwertlilie).

Am Sonntag ging es Indoor mit zahlreichen Berichten, Vorträgen und Diskussionen zur Naturschutz-Arbeit des DAV in Baden-Württemberg weiter. Themen waren unter anderem, der Nationalpark Schwarzwald, die Anerkennung von Naturschutzverbänden, das neue online-Forum für Naturschutzreferenten sowie Beiträge aus der Naturschutzarbeit der Sektionen.

Herzlichen Dank an die Sektion Friedrichshafen und die Naturschutzreferentin Claudia Huesmann für die Organisation der Tagung vor Ort.

www.alpenverein.de/Natur-Umwelt