JDAV News

2. Jugendvollversammlung erfolgreich

Am 11. April haben wir die Jugendvollversammlung erfolgreich veranstaltet. Es gab eine ausführliche Vorstellung des Kletterhallen Projekts, was auf freudige Ohren getroffen ist. Ferner wurde ein neuen Jugenreferat gewählt, in dem nun vertreten sind, Jakob Bosse (JuRef) Jeanette Wedele (1. stellv. JuRef) und Felix Sieber (2. stellv. JuRef). Gratulation an die drei.


Sei auch dieses Jahr bei der Jugendvollversammlung dabei und entscheide mit, wohin es mit deiner JDAV gehen soll.

5. Platz bei Landesmeisterschaft für Levid Steiner

Der junge Leistungssportler Levid Steiner (Jahrg. 2004) der Sektion Überlingen belegte den 5. Paltz bei der Baden-Württembergischen Klettermeisterschaft, die am vergangenen Wochenende in Heilbronn stattfand. Nach seinem leistungsorientiertes Training, das von Trainern der Sektion Konstanz angeleitet aber zum größten Teil von ihm selbstständig geplant und ausführt wurde, startete Levid bei der Landesmeisterschaft zum ersten Mal in der Disziplin Speed (Schnelligkeitsklettern) und zum zweiten Mal in der Disziplin Lead (Schwierigkeitsklettern im Vorstieg), in der er den 5. Platz bei den Junioren B+C holte.

Wir möchten Levid Steiner zu seiner Platzierung beglückwünschen!


Besteigung des Citlaltepetl 5636m Mexiko

Seit meiner Ankunft in der mexikanischen Stadt Puebla, im August 2017, fühlte ich mich Tag für Tag stärker zu den Bergen hingezogen. Jeden Morgen sah ich ihn, den Popocatépetl, wie er rauchend den kompletten Himmel beherrschte. Ich blieb jedes Mal vor ihm stehen und musste ihn anstarren, als wäre ich von der Macht des Vulkans gefesselt. So kam es, dass ein neues Ziel in mir Gestalt annahm…

Die Besteigung dieses Vulkans ist nicht möglich, wegen der noch andauernden Aktivität. Dafür befindet sich der andere Riese namens Citlaltépetl (auf náhuatl “Berg des Sterns”), knappe 150 km östlich vom Popocatepetl gelegen – seit dem 17. Jahrhundert inaktiv.  Mit einer Höhe von 5.636 m ist er der dritthöchste Berg Nordamerikas!

Mein größter Wunsch war es, auf dem Gipfel dieses Vulkans zu stehen. Ich musste es wagen, auch wenn ich Angst vor der Besteigung hatte.

Und genau so wollte es mein Schicksal: an einem ruhigen Klettertag am Fels kam ein junger Kerl namens Max aus Kalifornien zu uns und bot uns ein Bier an. Er wollte mit uns die Risse am Fels knacken. Das klang interessant, also sagten wir zu. Der Junge hatte wirklich was drauf! Er wusste zu kämpfen und den Schmerz auszuhalten. Dies gefiel mir sehr und im Nachhinein erfuhr ich von seinem Plan: die Besteigung des Citlaltépetl. Ich fragte ihn sofort, ob er mich mitnehmen würde, denn ich wusste, dass wir gut zueinander passen würden. Und tatsächlich suchte er noch einen Partner für die Expedition!

VORBEREITUNG UND ANREISE

Unser Abenteuer begann schon am Anreisetag. Max, mein Partner, hatte kein Handy und nur sehr wenig Geld. Da wir überhaupt nicht miteinander kommunizieren konnten, stiegen wir in unterschiedliche Busse ein und landeten letztendlich in zwei unterschiedlichen Dörfern: ich kam in der Nacht noch ins richtige Dorf, Max blieb dagegen auf dem Weg stecken. Erst am nächsten Tag trafen wir uns in Tlachichuca, um von dort aus mit einem Geländewagen bis zum Base Camp bei der Piedra Grande Hütte (4.260 m) zu fahren. Am selben Tag machten wir bei leichtem Schneefall unsere Akklimatisationswanderung. Wir plauderten mit den anderen Bergsteigern auf der Hütte (überwiegend Amerikaner) und holten uns Tipps für die Besteigung.

Wir hatten große Bedenken, nicht wegen des Wetters, sondern wegen des Aufstiegs über den Gletscher. Der 45 Grad steile Gletscher war bedeckt von einer alten, harten Eisschicht, auf der eine Woche zuvor eine Zweierseilschaft ausgerutscht und tödlich verunglückt war. Wir sahen dies natürlich als Warnung, aber auf gar keinem Fall als Hindernis.

Unser „Plan“ war es, von der Hütte aus einer geführten Gruppe zu folgen, um auf dem richtigen Pfad zu laufen. Doch an diesem Tag war niemand der dort hochwandern wollte. Wir machten uns ein paar Tacos und diskutierten mögliche Varianten für unsere Tour am nächsten Tag. Als wir uns einigermaßen einig waren, schärften wir noch kurz unsere geliehenen Steigeisen und um 19 Uhr lagen wir schon in unseren Schlafsäcken. Ich versuchte zu schlafen, weil um Mitternacht mein Wecker klingeln würde. Aber das gelang mir nicht. Möglicherweise war es die Neugier, oder vielleicht auch die Höhe. Viele Gedanken kamen mir in den Sinn: was ist eigentlich mein Ziel? Will ich alles geben um den Gipfel zu erreichen? Oder ist mein Ziel heil nach Hause zu kommen? Wie würde ich handeln, wenn ich meinen Partner verlieren würde? Was, wenn ich ausrutschen würde? Ich spürte die Nähe zu den Menschen die ich liebte, ich fühlte, dass sie anwesend waren und mich unterstützten.

Plötzlich klingelte mein Wecker: 24 Uhr. Max kochte einen Kaffee für uns beide und wir aßen etwas Müsli mit warmem Wasser. Wir redeten kaum miteinander und machten uns fertig.

AUFSTIEG

Um 1:00 Uhr morgens verließen wir die Hütte. Mitten in der Dunkelheit gingen wir denselben Weg hoch, den wir am Tag zuvor gewandert waren. Ich war fasziniert von dem klaren Sternenhimmel und der ewigen, kalten Stille. Später fingen jedoch die Schwierigkeit an: wir waren am Labyrinth angekommen. So heißt die letzte Passage vor dem Gletscher, und tatsächlich verzweigte sich der Weg in unendlich viele Pfade. Der richtige Weg war jetzt nur noch schwer zu erkennen. Ab und zu fanden wir Steinhaufen, die den Weg markierten, doch plötzlich standen wir vor einer Felswand, die eine leichte Kletterei erforderte. Das eine oder andere Mal mussten wir bis zur letzten Markierung zurückkehren, weil die Kletterpassagen zu schwer für uns waren. Glücklicherweise gelangten wir letztendlich zum Gletscher: eine enorme weiße Fläche und – wie man uns schon gewarnt hatte – sie war hart wie Stein!

Die Orientierung auf dem Gletscher bereitete uns keine Probleme. Je höher wir gingen desto steiler war der Gletscher. Manchen Passagen waren so stark vereist, dass es uns nicht möglich war die Steigeisen ins Eis zu schlagen. Wir mussten mehrere Male draufhauen, damit sie gerade noch unser Gewicht aushielten. Langsam ging die Sonne auf und ich hatte das Gefühl kein bisschen vorangekommen zu sein. Meine Füße wurden immer schwerer, mein Kopf klagte über starke Schmerzen und mein Gleichgewichtssinn gab nach. Für eine Zeit lang hatte ich Max aus den Augen verloren. Er war mir gute 100 m voraus und steuerte auf einen Fels zu, der aus dem Gletscher herausragte. Dann versagten seine Steigeisen: die Bindung löste sich und fast wäre er ausgerutscht, hätte er den Eispickel nicht rechtzeitig in den Schnee gehauen. Daran konnte er sich festhalten und ich unterstützte ihn, die Steigeisen provisorisch festzubinden – denn, sie zu reparieren, war in diesem Gelände nicht möglich. Die Bindung hielt bis zum Felsen. Dort machten wir Rast und reparierten die Bindung. Es fehlte nicht mehr viel bis zum Gipfel, aber das Vorankommen wurde immer schwerer. Endlich endete der Gletscher am Kraterrand. Dort führte einen Sandweg zum Gipfelkreuz. Ich legte mich hin und machte meine Augen zu. Viel Zeit hatten wir nicht, denn wir hatten allein für den Aufstieg zwei Stunden länger gebraucht als geplant. Ich dachte darüber nach: ich durfte mich nicht vom Leid führen lassen. Das Paradies war dort vor meinen Augen und ich hatte es noch nicht bemerkt.

ABSTIEG

Ich hatte mich einigermaßen erholt, aber trotzdem fühlte ich mich schwach. Das Eis war durch die Wärme etwas weicher geworden. Dies erleichterte uns den Abstieg enorm. Aber ich war zu optimistisch: meine Konzentration ließ nach. Ich hatte mich an die Steigung des Gletschers so gewöhnt, dass ich den Gletscher kaum noch fürchtete. Mein Körper kämpfte sich Schritt für Schritt weiter, während mein Kopf nur noch mit dem Gedanken spielte, diese riesige Rutschbahn  auszuprobieren. Plötzlich rutschte mein linker Fuß beim überkreuzen weg. Ich verlor den Eispickel aus den Händen und rasch beschleunigte ich talabwärts. In dem Moment kam ich wieder in der Wirklichkeit an. Ich reagierte schnell: ich drehte mich um, bis ich auf meinem Hintern saß, um mit den Steigeisen bremsen zu können. Das gelang mir richtig gut. Ich war sehr dankbar, dass mir nichts passiert war, aber ich spürte mein Herz bis zum Hals schlagen. Erst jetzt spürte ich mein Knie und meinen Hintern, die ich mir beim Sturz angeschlagen hatte. So wartete ich auf Max. Ab jetzt war ich vorsichtiger beim Abstieg, doch mein Tempo nahm dadurch auch deutlich ab. Max beschwerte sich nicht, obwohl er ständig auf mich warten musste – wir hatten uns versprochen, bis zum Ende zusammenzuhalten.

Der Gletscher war endlich zu Ende. Das Labyrinth erwartete uns, dieses Mal aber mit Sonnenlicht, doch leichter wurde das ganze dadurch nicht. Alles was möglicherweise ein Weg gewesen sein könnte, wurde zu einem Bach. Die Erde war jetzt schlammig und rutschig.

Um 17 Uhr waren wir zurück auf der Hütte. Alle gratulierten uns und wir gaben den anderen Gruppen noch ein kurzes Feedback über die Tour, die sie am nächsten Tag wagen wollten. Der Fahrer wartete seit 14 Uhr auf uns, also eilten wir zum Wagen und schliefen sofort ein.

FAZIT

Ich war sehr froh, diese Erfahrung gemacht zu haben. Ich hatte sehr hart gekämpft, ich hatte den Schmerz ausgehalten und ich hatte nicht aufgegeben. Das einzige was ich jetzt noch wollte, war ein richtiges mexikanisches Essen mit einem Bier!

Marcel Wissing Boada (Jugendleiter), JDAV Überlingen

Weitere Informationen zum Thema