Vom 4. bis 8. März 2026 zog es eine hochmotivierte Gruppe der DAV Sektion Überlingen in die Bündner Berge. Genauer gesagt: in das Selbstversorger-Basecamp Thalerlotsch, unweit des Turrahus im hintersten Safiental. Fünf Tage, fünf Touren, durchgehend strahlender Sonnenschein und eine starke Gruppendynamik bildeten den Rahmen für eine alpinistisch anspruchsvolle und rundum gelungene Ausfahrt.
Die Touren im Überblick: Alpine Ausdauer trifft auf Genuss
Das Safiental bietet weite Hänge, komplexe Gratlinien und erfordert einen guten Blick für das Gelände. Aufgrund des bemerkenswert homogenen und sportlichen Niveaus der Teilnehmer:innen konnte die ursprüngliche Tourenplanung teilweise nach oben korrigiert werden. Längere Anstiege und anspruchsvollere Linien fügten sich mühelos in die Tage ein:
- Tag 1 | Camaner Grat (2.475 m) – ca. 800 Hm: Die ideale Eingehtour direkt ab Camana. Ein überschaubarer Aufstieg, um die Beine aufzuwecken und ein erstes Gespür für die Expositionen und den Schnee der Region zu bekommen.
- Tag 2 | Piz Guw (2.706 m) – ca. 1.020 Hm: Ein landschaftliches Highlight oberhalb des Turrahus. Bei diesem Aufstieg über die weiten Terrassen war das Timing für die Abfahrt entscheidend, um die besten Schneeverhältnisse abzupassen.
- Tag 3 | Tomülgrat (2.738 m) – ca. 1.100 Hm: Ein anspruchsvoller Anstieg in Richtung Valser Tal mit knackigen Spitzkehren. Belohnt wurden die Höhenmeter mit einer Abfahrt, die fahrerisch saubere Technik verlangte.
- Tag 4 | Bärahora / Bärenhorn (2.929 m) – ca. 1.450 Hm: Die konditionelle Königsetappe der Woche. Ein langer, stetiger Anstieg tief in hochalpines Gelände, gekrönt von einem gewaltigen Panorama am Knotenpunkt von Safien-, Vals- und Rheinwaldtal.
- Tag 5 | „Steinernes Meer“ – ca. 800 Hm: Eine abschließende Genusstour vor der Heimreise. Noch einmal entspannt auffellen und die Ruhe des Safientals aufsaugen, bevor es an die Rückfahrt ging.
Lawinenmantra und alpine Bildung im Fokus
Trotz des verlockenden Kaiserwetters erforderte die Schneesituation durchgehend einen kühlen Kopf und strategische Disziplin. Eine mäßige bis erhebliche Lawinengefahr (LWS 2 bis 3) gepaart mit einem tückischen Altschneeproblem tief in der Schneedecke verlangte nach konservativer Tourenplanung. Die Bedingungen forderten die Gruppe heraus: Nachts sorgte strenger Frost für ein Durchfrieren der Decke, morgens kämpfte man teils mit unangenehmem Bruchharsch, bevor ab dem späten Vormittag die tageszeitliche Erwärmung massiv einsetzte.
Genau hier zeigte sich die hohe alpine Kompetenz der Gruppe und der verantwortungsvollen Tourenleitung. Statt unreflektiertem Höhenmeter-Sammeln lag der Fokus auf solider alpiner Bildung. Das Lawinenmantra wurde täglich zelebriert. Regelmäßige Hangeinschätzungen im Gelände, das Analysieren des Schneedeckenaufbaus und sauber gegrabene ECTs (Extended Column Tests) flossen nahtlos in die Spuranlage ein. Das gemeinsame Diskutieren der Verhältnisse schulte das Auge und garantierte die nötige Sicherheitsmarge für entspannten Genuss in der Abfahrt.
Basecamp-Leben im Selbstversorgerhaus
Zurück im Thalerlotsch wurde das Selbstversorger-Konzept voll ausgelebt – und zwar in bester Gesellschaft. Die Unterkunft wurde mit einer sympathischen Gruppe der befreundeten DAV Sektion Marburg geteilt. Auch wenn man tagsüber auf getrennten Routen unterwegs war, verschmolzen die Gruppen abends zu einer alpinistischen Genuss-Gemeinschaft.
Es wurde zusammen eingekauft, gekocht, gespielt und musiziert. Besonders wertvoll war die allabendliche Tourenplanung: Über den Karten und dem Lawinenbulletin wurden rege Erfahrungen ausgetauscht, Hänge besprochen und wertvolle Tipps für die Touren des nächsten Tages weitergegeben.
Body Battery, Nachmittagssonne und ein perfektes Fazit
Mindestens genauso oft wie die Steilheit der Hänge wurde abends ein anderes Thema diskutiert: die „Body Battery“ der Smartwatches. Ein Großteil der Tourengeher:innen trug die entsprechenden Uhren, und der morgendliche Vergleich der Vitalwerte („Bin nur auf 12 %, brauche mehr Rührei!“) avancierte schnell zum Running Gag der Ausfahrt.
Doch die Akkus luden sich nachmittags fast von selbst wieder auf. Wenn die Ski sicher am Haus lehnten, ließ man den Tag in der warmen Frühlingssonne vor der Hütte ausklingen. Mit einer frischen Tasse Kaffee oder einem wohlverdienten kühlen Getränk in der Hand genoss die Gruppe die hochalpine Kulisse.
Am Ende stehen fünf herausragende Skitourentage. Aus komplexen Schneebedingungen wurde mit alpinistischem Verstand, solider Technik und unfallfreier Routenwahl das absolute Maximum herausgeholt. Alle Teilnehmer:innen kehrten sicher, unverletzt und mit aufgeladenen mentalen Batterien zurück an den Bodensee.







Autor: Moritz O.
