Weiße Weihnacht in den Bergen? Das ließ ich mir nicht zweimal sagen und reiste extra zeitig aus Bremen nach Überlingen an, um an der Mädels-Schneeschuh-Tour teilzunehmen. Allerdings meinte Petrus es etwas zu gut mit uns und so hatten wir kaiserliches Wetter mit toller Wintersonne, aber für Schnee war es zu warm. Kein Problem, wir sind ja flexibel und so sattelten wir kurzerhand auf eine entspannte Wintertour um.

Von Balderschwang startete unsere Mädelstour mit 8 Bergsteigerinnen und Astrid, die uns führte. Im Gepäck waren Grödel und die, die keine hatten, durften ihre Schneeschuhe sicherheitshalber im Rucksack mitnehmen. Zunächst ging es über einen Ziehweg hoch Richtung Wilhelmine-Alpe und nach einiger Zeit tat sich das erste Altschneefeld auf. Damit stellten sich dann auch die erhofften Wintergefühle ein, die man sich vom Tal aus noch gar nicht vorstellen hatte können. Hier kamen dann auch bei einigen die Gamaschen zum Einsatz, die schließlich nicht umsonst mitgekommen sein sollten. Durch den harschen Schnee machten wir uns also an den weiteren Anstieg und genossen den herrlichen Ausblick auf die schneebedeckte Hörnergruppe. Etwas oberhalb der Wilhelmine-Alpe machten wir die erste Trinkpause in der Sonne. Nachdem wir von hier aus den weiteren Weg eingesehen hatten, ging es weiter, diesmal steiler bergauf, teils auf Treppen, teils schmalen Pfaden, bis wir das Gipfelkreuz des Siplingerkopfes erblickten.

Noch einmal kurz runter und wieder hoch durch eine kleine Schneekuhle und dann waren wir endlich bei unserem ersten Rastplatz, dem Siplingerkopf auf 1.746 Meter, angelangt.

Das Gesicht in der Sonne und den Blick auf die gezuckerten Berge, war eine wahre Wohltat, ebenso wie das weihnachtliche Buffet, das sich nun auftat. Wir legten unsere verschiedensten Plätzchen, Brödle und unterschiedlichen Sorten Stollen zusammen und so konnte der Anblick (und natürlich der Geschmack) des Buffets locker mit der Wahnsinnsaussicht mithalten!

Da der Grat auf den Heidenkopf bei diesen Witterungsverhältnissen zu ausgesetzt war, machten wir uns nun gestärkt zunächst an den Abstieg.

Immer wieder war ich froh über meine Wanderstöcke, denn der verbliebene Schnee war in der Sonne ganz schön rutschig und immer wieder ging es auch durch matschige Abschnitte. (Anmerkung von Astrid: Befinden wir uns auf einer Zeitreise? Haben wir Weihnachten verpasst? Vereinzelt blühende Flockenblumen, Enzian, Hahnenfuß, Löwenzahn und Schlüsselblumen!) Da wir von einem Gipfel noch nicht genug hatten, entschieden wir uns einstimmig, das tolle Wetter zu nutzen und an den erneuten Aufstieg auf den Heidenkopf zu wagen. Hier wurde es nochmal spannend, denn dieser beinhaltete eine felsige Stelle, an der geklettert werden musste und ein kleiner Stau bildete, bis alle hinauf waren. Auf dem Heidenkopf (1685m) machten wir nochmal eine kurze Verschnaufpause. Diese nutzten wir, um von unserer Bergwanderführerin Astrid die Funktionen und Vorteile von verschiedenen Grödeln erklären zu lassen.
Schließlich stellten wir mit einem Blick auf die Uhr fest, dass es Zeit für den Abstieg war und so ging es wieder zurück, über die seilversicherte Stelle, bei der sich auch bergab eine Schlange bildete. Der Rest des Weges war zwar leichter, aber dafür ganz schön rutschig und erneut war ich froh über meine Stöcke. Das letzte Stück ging es nochmal einen Ziehweg hinab und je weiter wir zurück ins Tal kamen, desto sommerlicher wurde es. Schnell huschten alle wieder ins Auto und so ging es zur Einkehr nach Alberschwende, wo wir uns für den Rückweg stärkten und den wunderbaren Tag Revue passieren ließen. Auch ohne Schneeschuhe an den Füßen war es ein ganz phantastischer Ausflug und eine tolle Stimmung in unserer Mädelsgruppe. Da hat sich auch die weite Anfahrt aus Bremen (natürlich mit Zug) voll und ganz gelohnt!
Gina Tomaszewski
PS von Astrid: Da es an diesem Tag auf unserer Tour fast keinen Schnee gab, konnten wir die normalen Sommerwege nutzen, selbst Grödeln brauchen wir nicht. Wir sind flexibel und passen uns an den Klimawandel an!
Statistik: 10km/765hm/4:15h/T2/K1
