Berge und Baden in der Schobergruppe 8.-16.8.2026

Am Samstag reisen wir mit Bahn und Bus nach Heiligenblut – wir kommen pünktlich an. Dar Hotelier empfing uns persönlich und zeigte uns die wunderbar „alt“ eingerichteten Räume. Wir verzichteten auf die Sauna und erkundeten den bekannten Ort: Hier startet die Großglockner-Hochalpenstraße gen Norden ins Salzburger Land. Von hier aus starten viele ihre Großglocknerbesteigung. Und die Geschichte des Briccius ist allgegenwärtig. Das Abendessen geriet etwas sehr langatmig, denn unser Hotelier empfahl uns den neu eröffneten „Zum Ochs“. Sehr lecker, aber noch sehr holprig….

In den vor uns liegenden Tagen sind Sommergewitter gemeldet, nachmittags irgendwann. Typisches Augustwetter also. Die Schobergruppe gehört zu den Hohen Tauern in den Ostalpen. In dieser kleinen Gebirgsgruppe stehen wirklich 35 3000er. Kleine Hütten, viele Seen und Wasser, nur noch Gletscherreste.

Sonntag, 9.8.2026: Nach dem kaiserlich üppigen Frühstück im Hotel Kaiservilla in Heiligenblut (1288m) starten wir unsere Bergwanderung durch das malerische Gößnitztal in die hochalpine Landschaft der Schobergruppe. Unser Ziel ist die Elberfelder Hütte (2346 m).

Mit zunehmender Höhe wird auch der steile Anstieg ruhiger. Wir wandern durch den Wald, vorbei an Almflächen, und erreichen nach etwa eineinhalb Stunden den Bereich der Wirtsbauernalm. Bewusst lassen wir den direkten Zustieg durch das Gößnitztal rechts liegen und wählen stattdessen den landschaftlich schönen und abwechslungsreichen Langtalsee-Höhenweg. Dieser führt vorbei an wunderschön gelegenen Bergseen und weiten Hochgebirgswiesen. Dabei genießen wir die herrlichen Weitblicke auf die umliegenden Berge. Der imposante Großglockner ragt dabei majestätisch heraus. Sehr willkommen und erfrischend ist an diesem herrlich sonnigen Tag ein Bad im Vorderen Langtalsee. Die Auswahl ist groß – manch einer spart sich dieses Vergnügen jedoch für die nächsten Tage auf. Nach einer Gehzeit von ca. 6,5 Stunden, 16 km Wegstrecke und 1370 Höhenmetern sind wir schließlich am Ziel. Schwierigkeit K3/T2, Abstieg 320m

Mascha

Montag, 10.8.2026: Unser erster 3000er steht auf dem Plan. Wenn die Gewitter kommen, sind wir sicher schon an der Lienzer Hütte (1977m) oder nur noch im Abstieg nach der Gößnitzscharte (2732m). Im Blockgelände machen wir ein Rucksackdepot, denn wir erklimmen den Roten Knopf (3281m), dem zweithöchsten Gipfel der Schobergruppe. Wenn wir das gut bewältigen, ist am nächsten Tag die mögliche Hochschoberüberschreitung sicher kein Problem! Wir machen Bekanntschaft mit Schrofen, Felsen und Blockgelände. Mit jedem erkämpften Schritt öffnet sich die Aussicht weiter. Mascha entdeckt unweit zwei Steinböcke. Kurz darauf fliegt direkt unter uns ein Adlerpaar vorbei. Kurz unterhalb des Gipfels ein Schreckmoment: Martin ist blutüberströmt! Er hat großes Glück: kein Schwindel, keine Kopfschmerzen, er blutet nur aus der Platzwunde auf dem Schädeldach. Da doch kein Verband nötig war – wir hätten ihm gern einen gemacht, mit unterm Kinn verknotetem Dreieckstuch!?- eine kl. Rolle Toipapier auf die Wunde gepresst, fixiert von seiner Schirmmütze, genügt. Er war im Aufstieg mit konzentriertem Blick nach unten an eine vorstehende Felsnase gestoßen.

Wir haben Sicht bis zu Erdkrümmung: vis-a-vis Österreichs höchsten Berg, der Großglockner (3798m). Hoher Sonnblick, Großvenediger, die Zillertaler mit dem Schwarzenberg und natürlich die Südtiroler Dolomiten und auch schon die Lienzer Dolomiten, und, und, und … Der schiere Wahnsinn.

Unser Aufstieg hat doch länger als gedacht gedauert. Wir sind froh, dass es Martin so gut geht, denn das hätte anders ausgehen können…. Am Rucksackdepot machen wir eine nur kurze Mittagsrast, denn die Gewitterwolken sehen nun recht bedrohlich aus. Der Elbefelder Weg hinauf zur Gößnitzscharte zieht sich mit mäßiger Steigung durch hochalpines Gelände, Schotter, Blockgelände, vorbei am von den nachmittäglichen Gewittern angeschwollenen Seen. Das Gößnitzkopfbiwak ist schon von Ferne zu sehen. Oben überschreiten wir das erste Mal die Grenze Kärnten nach Osttirol. Für uns nur durch den Schafzaun erkenntlich, den wir überklettern müssen. Osttirol gehört verwaltungsrechtlich zum Bundesland Tirol, obwohl es keine geografische Anbindung an Tirol hat.

Nachdem wir die Aussicht gen Hochschober und ins Debanttal genossen haben, wird deutlich, dass wir vielleicht wirklich erst 18 Uhr an der Hütte ankommen. Ich suche immer wieder erfolglos Handyempfang, um in der Hütte Bescheid zu geben. Nicht dass unsere Plätze derweil anderweitig vergeben werden!? Der Weg führt wunderschön hinab aus dem alpinen Gelände ins Almgelände, am See vorbei, später schon gesäumt von vereinzelten Arven. Die Lienzer Hütte liegt idyllisch inmitten von rauschenden Bächen, Pferde und Esel grasen. Die einzige Hütte, die durch einen Fahrweg zu erreichen ist, deshalb wird sie tagsüber von vielen E-BikerInnen besucht.

Mascha ist im Abstiegsflow und geht schon einmal vor, um Bescheid zu geben. Als wir 17:30 Uhr ankommen, hat sie dankenswerter Weise schon das Essen bestellt und genießt Ihr erstes alkoholfreies Kaltgetränk. Danke Mascha!

Vor der nun schon üblichen Phase-10-Runde planen wir den nächsten Tag: es ist wirklich so, der 3. Tag ist immer der Anstrengendste. Deshalb werden wir morgen auf die Überschreitung des Hochschober verzichten. Man kann sicher in einem kommenden Sommer wieder kommen. Technisch geschafft hätten wir ihn sowieso.

11km, 1200hm, 1565m Abstieg, K3/T4

Astrid

Dienstag, 11.8.2026: Der dritte Tag unserer Tour durch die Schobergruppe war eigentlich als Erholungstag gedacht. Eigentlich! Denn auch wenn die Etappe von der Lienzer Hütte zur Hochschoberhütte (2322m) mit rund 5 km, 765hm im Aufstieg und 420m im Abstieg auf dem Papier eher überschaubar aussah, gab es für die Gipfelhungrigen unter uns noch ein paar Möglichkeiten, zusätzliche Höhenmeter zu sammeln: den Leibnitzkopf (2863 m) und den Barrensee (2727m).

Wie schon an den beiden Tagen zuvor hieß es um 8 Uhr Rucksack auf und los! Von der Lienzer Hütte (1.977 m) folgten wir zunächst dem Mirnitzbach. Der Weg schlängelte sich gemütlich durch das grasige Almgelände bergauf. Doch mit zunehmender Höhe wurde es zunehmend alpiner. Der Weg wurde steiler und führte uns in engen Kehren hinauf zur Mirnitzscharte (2743m). Unterwegs sorgte eine Herde neugieriger Kälber samt ihren Müttern für Unterhaltung am Wegesrand. Frühe Mittagsbrotzeit an der Scharte.

Und weil ein „Erholungstag“ offenbar nicht für alle das Gleiche bedeutet, nutzten viele von uns die Gelegenheit für einen zusätzlichen Gipfelabstecher zum Leibnitzkopf (2863 m). Der Aufstieg ist nicht ausgeschildert, sondern lediglich durch Steinmännchen markiert, ein bisschen Orientierungssinn war also gefragt. Oben angekommen, wurden die zusätzlichen Höhenmeter mit einem grandiosen Ausblick belohnt. Weite Teile der südlichen, westlichen und zentralen Schobergruppe lagen vor und unter uns.

Zurück an der Mirnitzscharte ging es zunächst ziemlich knackig bergab. Über lockeres Erde-Schutt-Gemisch und später über grobe Felsblöcke stiegen wir bis zu einem kleinen See ab. Doch auch hier war für die Gipfelhungrigen noch lange nicht Schluss. Wer immer noch nicht genug hatte, konnte über den Weg in Richtung Hoher Prijakt einen weiteren Abstecher zum Barrensee (2727 m) einlegen. (Anmerkung Astrid: wir teilten uns 50/50 in eine Apfelstrudel- und eine Seegruppe) Der klassische Karsee lag eingebettet in der hochalpinen Landschaft und war die zusätzlichen Höhenmeter allemal wert.

Nach so viel Gipfelprogramm ging es schließlich endgültig Richtung Hochschoberhütte. Dort wartete die wohlverdiente Belohnung: Apfelstrudel! Bei Kaffee und süßer Stärkung kamen wir mit zwei lustigen Südtirolern aus dem Pustertal ins Gespräch. Die beiden waren in die Hohen Tauern gekommen, um dem Touristenrummel in ihrer Heimat zu entkommen.

Und auch beim Abendessen trug der Hüttenwirt Harry Lucca seinen Teil zum gelungenen Tagesabschluss bei. Als gelernter Koch verwöhnt er seine Gäste mit österreichischer Hausmannskost und frisch gebackenen Mehlspeisen. Nach den Anstrengungen des Tages schmeckt das natürlich gleich doppelt so gut. (Und Aufregung: Nach einem nur kleinen Gewitter war das Wasser in der Hütte weg! Harry ließ in der Küche alles stehen und liegen, um die Verstopfung durch von den vielen Gewittern der letzten Tage aufgewühlten Brunnensumpf zu beheben. Morgens gab es wieder Trinkwasser aus dem Hahn. Anmerkung Astrid)

Insgesamt K2/T3, mit beiden Bonuszielen: 6,5km, 980hm, 640m im Abstieg

Sabine

Mittwoch, 12.8.2026: Eine etwas ruhigere Etappe unserer mehrtägigen Wanderung. Von der Hochschoberhütte (2322m) führte unser Weg zunächst über das Leibnitztörl (2591m) und Gartlsee, anschließend hinunter zur Lienzer Hütte (1977m). Nach einer kurzen Pause gingt es wieder bergauf über die Niedere Gradenscharte (2796m) schließlich ins Gradental. Nach rund 12km, etwa 1110hm und 950m Abstieg erreichen wir unser Tagesziel, die Adolf-Noßberger-Hütte (2488m) am Großen Gradensee.

Wie auf der ganzen Tour hatten wir ungewöhnlich warmes und schönes Wetter. Das Highlight des Tages war diesmal kein Gipfel, sondern der Weg und die nächste Hütte. Die Adolf-Noßberger-Hütte ist mit viel Liebe und persönlichem Charme eingerichtet, wir fühlten uns gleich wohl. Der Hüttenwirt Christian und sein Team haben uns herzlich empfangen. Als Koch und Weinkenner sorgte er dafür, dass neben dem guten Essen an diesem Abend auch der Weingenuss nicht zu kurz kam. Ein kurzes kaltes Bad im milchigen Gradensee, ein gemütlicher Hüttenabend und ein schöner Abschluss unserer vierten Etappe.

Schwierigkeit K2/T3

Ira

Donnerstag 13.8.2026: Heute steht der Übergang von der Adolf-Noßberger-Hütte über den Keeskopf zur Wangenitzseehütte (2508m) auf dem Programm. Den Frühaufstehern zeigt sich der Keeskopf bereits während dem Sonnenaufgang in seinem herrlichem Antlitz.

Nach einem sehr köstlichen und nahrhaften warmen Porridge machen wir uns auf den Weg. Zunächst steigen wir auf und deponieren unsere Rucksäcke in der Nähe der wunderschönen Berg (Eis-)seen, die ein erfrischendes Bad in Aussicht stellen. Erleichtert und gut gelaunt steigen wir zunächst über Blockgelände auf, treffen ein Mama-Schaf mit seinen zwei Jungen, und nach einem herrlichen Aufstieg in der mittlerweile geübten Drei-Punkt-Technik, sind wir auch schon bald beim Gipfelkreuz angekommen. 3081m sind erklommen und wir genießen eine herrliche Aussicht in alle Richtungen.

Der Abstieg steht unter dem Zeichen der Vorfreude auf das nahende Eintauchen in einen der wunderbar erfrischenden und klaren Bergseen. Erfrischt und gestärkt setzen wir unsere Wanderung über eine aussichtsreiche Querung mit teils  seilversicherten und ausgesetzten Stellen über die Niedere Gradenscharte fort und gelangen via Kreuzseescharte zur Wagenitzseehütte. Sabine und Martin hatten noch nicht genug, und haben noch einen Bonustrack zum hohen Perschitzkopf (3125m) absolviert. Zufrieden mit dem Tag fielen wir in unsere Betten im Matratzenlager.

8km, 890hm, 830m Abstieg K2/T4 zzgl. Bonus Hoher Perschitzkopf: 1,6km, 415hm

Ulrike

Freitag 14.8.2026: Heute ist es dann endlich soweit, wir machen uns auf den Weg, den höchsten Gipfel der Schobergruppe zu erklimmen, den 3283m hohen Petzeck. Nach einem wunderschönen Sonnenaufgang und einem guten Frühstück in der Wangenitzseehütte ging es los und wir haben über einige Seil versicherte Stellen den Gipfel sicher nach ca. 4 h erklommen und wurden mit einem grandiosen Ausblick und für die Internetsüchtigen mit sehr guter Netzwerkverbindung belohnt. Nach der obligatorisch Gipfeljausen gings wieder abwärts. (Anm. Astrid: Ein Geier schwebt nah an uns vorbei, scheucht eine Gruppe Schneehühner auf – grandios!) Die Gruppe trennet sich nach weiteren 2h in die Bade-und Bonusfraktion. Gruppe Baden durfte gleich in den auf 2500m gelegen Wangenitzsee springen und Gruppe Bonus – natürlich wieder Sabine und Martin- erklomm noch den Kruckelkopf (3181m) bevor gebadet wurde. Ein weiterer erlebnisreicher Tag endet mit gemeinsamen Essen und Phase-10-Turnier- Finale. Schön wars heute.

Petzeck: 9km, 1410hm K2/T3 zzgl. für Sabine und Martin Kruckelkopf zusätzlich 4km, 670hm

Martin

Samstag, 15.8.2026:

Wehmut ist erlaubt. Bei einigen von uns hört man heraus, dass sie am liebsten weiter wandern würden … Wenn es am Schönsten ist, soll man aufhören, hat mal jemand Schlaues gesagt.

Wir wollen nicht zu spät in Lienz ankommen, deshalb gibt die Busabfahrtszeit in Iselsberg (1120m) den Ton an: 13:38Uhr, rein rechnerisch haben wir 4,5h Gehzeit vor uns. Im herrlichen Morgenlicht machen wir ein kleines Fotoshooting an der Hängebrücke am Wangenitzsee. Ein kleiner Aufstieg auf die Obere Seescharte und ein letzter Blick zurück auf die idyllische Umgebung der Hütte, die eingebettet zwischen den zwei Seen liegt. Mit weiter Aussicht über das Debanttal hinein ins Drautal hinüber zu den Lienzer Dolomiten wandern wir über mehrere Rücken ins Almgelände hinein. Ab 2200m nimmt uns der lichte Lärchenwald auf. Ein Jäger mit xkg Salzlecksteinen wird in ein Gespräch verwickelt. Auch wenn es schwer fällt, wir widerstehen der Lust, in die Roaner Alm ein zukehren. Hier kann man mit dem Auto fahren! Nach so vielen Tage auf einsamen Pfaden stören uns die staubaufwirbelnden Autos und sogar manche (E-)Biker. Die letzten Abstiegsmeter im märchenhaften Wald sind schnell vorbei. Die 1,5h Wartezeit bis zur Busabfahrt sitzen wir bei Kaffee & Co im Iselsberger Hof aus. Das ist die Härte für uns Bergenießende: vorbeirauschender Verkehr, viele Motorradfahrer – also alles andere außer Stille. So sind wir wieder für die Stadt gewappnet!

Heute ist hier Feiertag, nur ein M-Preis hat am Lienzer Bahnhof offen, so dass wir uns Brotzeit für die morgige Zugfahrt kaufen können. Wir haben zwei Ferienwohnungen mit dem hochtrabenden Namen „Zuegg Suiten“ reserviert. Oh Schreck, wir haben nur den Code für eine bekommen. Martin ändert einfach eine Zahl, und schon haben wir auch den Schlüssel für die zweite Wohnung. Wir sind begeistert, „Suite“ stimmt wirklich. Nach genußvoller Rekultivierung, oder sollte man sagen Zivilisierung und Musik von Herbert Pixner geniessen wir den für uns bereit gestellten Prosecco und lassen die Woche Revue passieren.

Das Wetter war einzigartig: Die Gewitter kamen immer nachts oder zur Abendessenszeit. Wir hatten immer weite Sicht. Auch auf den Gipfeln saßen wir in kurzer Hose und Shirt, und das auf über 3000m Höhe! Die Bergseen sind in diesem Jahr so warm wie noch nie. Ohne größere Blessuren kamen wir mit Glück und Verstand über sämtliche technische Herausforderungen hinüber. Gratulation an alle!

Beim Abendspazierung durch die Hauptstadt Osttirols geniessen wir die angenehme Urbanität, können uns fast nicht entscheiden, wo wir zu Abend essen wollen.

14km, 115hm, 1520m Abstieg T2

Astrid

Sonntag, 16.8.26: Die Zugfahrt retour klappt gut, sicher auch Dank des durchgehenden ICE von Spittal bis Ulm. Ab Ravensburg nehmen wir aber spontan den Bus gen Überlingen, da der Zugverkehr wg. Personenschaden gesperrt wurde. Mit ca. 1h Verspätung kommen wir an.

Mit dabei waren, Ira, Sabine, Ulrike, Mascha und Martin. Schee wars!

Astrid