Was lässt das Herz eines jeden MTBers höher schlagen? Genau: tolle Routen in herrlicher Natur, spannende, abwechslungsreiche Trails bei guten Wetterbedingungen – also Sonnenschein und am Abend nach schönen Erlebnissen ein schmackhaftes Abendessen und ein gutes Bett. Das konnten wir 10 Biker*innen Bettina, Klaus, Ebi, Martin, Lijiu, Thorsten, Benno, Günther mit dem Leitungsteam Bettina und Felix am verlängerten letzten Augustwochenende über 5 Tage in vollen Zügen genießen.

Erwartungsvoll und bei guten Wetterprognosen sind wir am Donnerstagmorgen hier gestartet. 7 Bikes wurden gut gesichert im Bus und auf dem Hänger von Butzi geladen, 2 Bikes bei dem weiteren Fahrzeug von Martin und Lijiu kam aus München direkt nach Livigno. Die Fahrt über den Flüela verlief problemlos, so dass wir am frühen Nachmittag die Zimmer beziehen konnten. Wir hatten 2 großzügige Ferienwohnungen auf gleichem Stockwerk gebucht. Diese hatten jeweils 5 Betten, welche durch guten Grundriss in 2-Bett und 3-Bett- Räume + Bad/WC-gegliedert waren. Für die Bikes war eine großzügige Garage vorhanden, wo auch Platz für Service/Reparatur usw. war.

Am ersten Tag konnten wir nach unserer früh nachmittäglichen Ankunft gleich zur ersten Fahrt aufbrechen. Es ging mit etwa 700 hm auf einen der „Hausberge“ Livignos, den Mottolino (2347 m). Von dort über herrliche Pfade oberhalb der Waldgrenze, teils im Wald und dann über das Val delle Mine zurück nach Livigno. Nach erfrischender Dusche konnten wir im naheliegenden Ristorante „Bellavista“ die italienische Küche genießen. Ein gelungener Einstieg in unser Wochenende.

Unser üblicher Tagesablauf war: Frühstück ab 7.30 Uhr im hervorragenden Hotel „Astra“, welches wir mit kurzem, morgendlichen Spaziergang erreichten, mit klasse Buffet, dann 9.00 Uhr Treffpunkt vor dem Haus mit Bike zum Check der Räder. Dann gings auf Tour, die am Vorabend von Felix und Bettina ausgearbeitet und uns vorgestellt wurde.
Täglich waren neue Strecken auf dem Programm, denn die Region fordert das geradezu heraus. Am 2. Tag war die mit ca 46 km und knapp 1400 hm Tour “Passo Alpisella Malga Trela“ auf dem Programm. Es ging zunächst entlang dem große Stausee Lago di San Giacomo und Lago di Cancano in die Höhe und um den Monte Trela (2605 m) und wieder in südliche Richtung zurück ins Tal. Eine vielseitige, anspruchsvolle und mit herrlichen Panoramen bespickte Tour; das Abendessen haben wir uns verdient.

Am folgenden 3. Tag war eine „besondere“ Tour angesagt. Von Livigno gings im Tal Richtung Süden, dann zunächst leicht, dann kräftig ansteigend parallel der Verbindungsstraße zum „Rifugio Tridentina“ 2300 m an der Passhöhe Forcola di Livigno . Kurze Verschnaufpause und dann von dort teils über alte Handelspfade und -wege, Trails im Wald oder über Lichtungen hinab nach Poschiavo zum dortigen Bahnhof. Unterwegs brummten auf der immer wieder sichtbaren Passstraße historische Sportwagen vorbei; die Fahrer waren sicher über ihre Route ebenso begeistert wie wir. Jedem „das Seine“. Bis zur folgenden Zugabfahrt hinauf zum Bernina-Hospiz nutzten wir die Zeit für die Mittagspause und die Zeit reichte für einen kleinen Abstecher zur Ortsmitte und feinem italienischen Eis.

Bettina orderte mittlerweile die Tickets zur Bahnfahrt auf den Bernina-Pass zum dortigen Bernina-Ospizio. Nach den zurückliegenden recht ordentlichen Höhen- und Tiefenmetern sowie Kilometern ein dankbares Angebot. Und plötzlich standen wir unmittelbar inmitten der beeindruckenden Gletscherwelt der Berninagruppe. Den Lago Bianco im Rücken überquerten wir dann die Passstraße und fuhren ständig ansteigend südlich des Piz Lagalb (2959 m) auf knapp über 2400 m, bevor wir dann auf herrlichem Trail zurück in „unser Tal“ Richtung Livigno fuhren. Wirklich eine rundum besondere Tour lag hinter uns. Das kleine Malheur bei Lijiu (Platten am Hinterrad kurz vor Ende) und der „Abflug“ von Benno ins weiche Wacholdergebüsch bei der Abfahrt nach Poschiavo tat dem herrlichen Tourentag keinen Abstrich.

Der 4. Tag war dreigeteilt gestaltet. Benno musste kurz zur Werkstatt und wegen dem Sturz am Vortag etwas „kürzer treten“. Doch schaffte er trotzdem die Auffahrt zum Pass Chaschauna (2694 m) und stieß später zur Gruppe wieder hinzu. Eine 5-köpfige Gruppe unter Leitung von Bettina hatten sich eine Tour von Livigno über den Pass Foscagno und den Passo da Val Viola (2489 m) nach Sfazu vorgenommen…

Felix und 3 weitere Biker haben sich ganztags dem Bikepark und den vielen Kilometern Trails, einem echten Bikeeldorado gewidmet. Klar, dass wir die Trails mit aufgebauten Rampen in steilem Gelände und anderen „Kunstwerken“ nicht befahren haben. Das ist „eine andere Liga“. Doch besonders reizvoll sind die natürlich in den Hängen eingebauten Trails auf dortigen unterschiedlichen Bodenverhältnissen (fest, steinig, Wurzelbewachsen, Fels) und mit unendlichen Kurven und Wellen. Die Liftanlagen haben uns nach den kilometerlangen Abfahrten ohne Wartezeiten wieder nach oben transportiert, so dass wir uns voll und ganz auf die Abfahrten konzentrieren konnten. Trotz dieser Steighilfe und dem begeisterten und flotten Abfahren blieben noch viele Trails übrig. Vielleicht zu einem anderen Zeitpunkt, es würde sich lohnen…

Der 5. und letzte Tag sollte etwas entspannter werden. „Nur“ etwa 580 hm und ca 17 km rund um Livigno waren angesagt. Zunächst in Tallage gings Richtung Stausee, dann leicht ansteigend oberhalb Livigno auf aussichtsreichem Höhenweg. Doch irgendwann kommen die Höhenmeter und das ziemlich gnadenlos. Schiebestrecke war für die Meisten angesagt; doch einige hatten nach diesen Tagen doch noch die Kraft, den notwendigen Druck auf die Pedale zu geben und Abschnitte auf dem Rad zu bewältigen. Felix‘ Kette gab dann doch tatsächlich an den letzten Steigungen ihren Geist auf. Kurz entschlossen, wie auf einem Laufrad strampelnd, schaffte Felix es ins Tal und hängte sich an Benno’s Schulter. So kam das EBike noch zu einem „freundschaftlichen“ Einsatz.
Glücklich schlossen wir den letzten Tourentag ab, blickten dankend an die Tage zurück. Die Zimmer mussten bis 9 Uhr geräumt sein, was am Vorabend im Wesentlichen vorbereitet war. Nach dem Beladen der Räder konnten wir die Heimfahrt Richtung Bodensee und München am frühen Nachmittag antreten.

Zusammenfassend: erlebnisreiche, unsere Bikerherzen erfüllende Tage lagen hinter uns, die Unterkünfte waren großzügig und schön am Ortsrand gelegen, kulinarisch wurden wir verwöhnt, beginnend morgens beim Buffet, tagsüber bei der Mittagspause in Berghütten, abends im Restaurant oder Pizzeria. Und unser Klaus hat es sich nicht nehmen lassen, ein Abendessen selbst für uns alle zu kochen; ein herrliches Risotto konnten wir in gemütlicher Runde am großen Tisch genießen. Danke Klaus. Ein großes Kompliment an die Organisatoren Bettina und Felix für die großartigen Touren und die verlässliche Führung und das ganze organisatorische Notwendige. Dass alles so hervorragend geklappt hat, ist auf ihr Engagement zurückzuführen. Vielen herzlichen Dank.
Für die dankbaren TeilnehmerInnen
Günther Former
Text Günther Former
