Sucht man im Internet „3-Schluchten-Tour im Schwarzwald“ wird man schnell fündig: 10 km, 180 hm. Das war aber alles andere als unsere Tour. Wir sind die große Schwester gelaufen oder auch die 3-Schluchten-Tour XXL. Denn wir hatten 33 km und über 800 hm vor uns! War das zu schaffen an einem Tag und in einer Gruppe?

Es ging früh los. Um 6.00 Uhr befanden wir uns schon auf der B31, die uns in den Schwarzwald nach Göggingen führen sollte. Den Tag hatte unsere Guide Astrid gut gewählt, denn eigentlich sollte es schon einen Tag früher losgehen, aber die Wetterberichte ließen sie den Planwechsel vornehmen. Das sollte sich als eine gute Entscheidung erweisen. Karin fuhr uns (Astrid, Jaqueline, Alexandra und Thomas) sehr sicher und im geplanten Zeitrahmen zum Bahnhof in Göggingen. Dort fuhren wir dann mit der S-Bahn nach Rötenbach, unserem Ausgangspunkt. Es war noch sehr frisch und Reif lag auf den Wiesen, sehr schön anzusehen. Auch diese frühmorgendliche Stimmung war sehr friedlich. Kaum aus Rötenbach raus, ging es auch schon hinab in die relativ enge Rötenbachschlucht, der wir ca. 5 km auf schmalen Pfaden folgten bis zur Einmündung in die Wutach. Hier pausierten wir kurz. Weiter ging es dann an der wesentlich breiteren Wutach bis zur ersten etwas längeren Pause auf dem Räuberschlössle bei km 9. Diese Pause hatte es ins sich, denn wir machten wie geschrieben „auf“ dem Räuberschlössle Rast. Das erwies sich für manche als Kletter-Mutprobe. Weiter ging es zur Schattenmühle bei km 13, wo wir das erste Mal mehreren Menschen auf einmal begegneten. Wir hatten schon fast vergessen, dass wir nicht allein unterwegs waren. Jetzt wurde es ein bisschen voller, denn die bekannte Wutachschlucht startete hier. Diese erwanderten wir auf den folgenden ca. 13 km und ließen uns immer wieder beeindrucken von den hohen Muschelkalkwänden und dem immer wieder tosenden Rauschen des Wassers. Wir durften viele unterschiedliche Pflanzen bestaunen, bemooste Bäume fotografieren, den Frühling in seiner ganzen Entfaltungskraft erleben.

Unsere Mittagspause sollte dann im „ehemaligen Bad Boll“ stattfinden, eine Formulierung von Astrid, der wir versuchten bis zur ersehnten Ankunft auf die Schliche zu kommen: verlor die Stadt ihr „Bad“ und hieß eben nur noch „Boll“? Wurde sie versetzt? Wurde ihr der schwarzwäldlerische „Boll“ aberkannt? Angekommen (bei km 16) lüftete Astrid das Geheimnis: von diesem Bad Boll war nur noch die Kirche übrig, alles andere war über die Zeit verwildert. Viele Menschen hatten jahrzehntelang mit teilweise spektakulären Ideen versucht in dieser Schlucht Infrastruktur und Zivilisation zu etablieren, doch die Natur siegte – zuletzt mit einem Erdrutsch, der die Zufahrt endgültig schloss. So gibt es weiterhin zwischen Schattenmühle und Wutachmühle keinerlei Ansässigkeit. Wir haben auch keine vermisst.

Gestärkt wanderten wir weiter, überwanden viele Höhenmeter rauf und runter bis zur Einmündung der Gauchach bei km 29, kurz vor der Wutachmühle, wo wir links abbogen. Ab jetzt wurde es wieder einsamer, die Landschaft wurde unberührter, noch grüner (kann das sein? Ja…) und richtig wildromantisch. Die weiteren Höhenmeter und ca. 6 km vergaßen wir im Staunen über diese atemberaubende Natur! Die Schlucht ist in einem naturnahen Zustand geblieben und das sieht und spürt man auf dem ganzen Weg am Wasser entlang. Solch ein fast naturbelassener Bachlauf ist wirklich ein Naturjuwel! Wir konnten uns nicht sattsehen.

Und doch freuten wir uns alle, als wir das geöffnete Wanderheim Burgmühle entdeckten und uns mit Kuchen, Kaffee, Eis und Bier für den letzten Anstieg nach Döggingen zum Auto stärkten. 300 hm auf 4 km warteten noch auf uns. Es wurde nochmal richtig steil. Als wir hinter weiten Wiesenfeldern die ersten Häuser von Göggingen erblickten, verabschiedeten wir uns von der Gauchach. Am Auto angekommen, erhielten alle einen botanischen Orden von Astrid fürs gute Durchhalten. Dann fuhr Karin uns sicher wieder zurück nach Überlingen. Herzlichen Dank hierfür!
Wir werden diese Wanderung in allerbester Erinnerung behalten, denn wir durften ein Waldbad XXL nehmen an diesem Tag, an dem wir ca. 12 Stunden in ihm unterwegs waren!
Alexandra
Statistik: 33km, 800hm, 9h Gehzeit, K3, T2
PS von Astrid: Am nächsten Morgen begegnete mir auf dem Radweg eine Teilnehmerin ebenso wie ich auf dem Weg zur Arbeit. Und das nach dieser Wanderung am Vortag! Die DAV-ler sind nicht müde zu kriegen …..

